Statt Rente: Pflege, Kampf und Abschied: Manfred Zehe über die schwere Zeit mit seiner Frau
Manfred Zehe ist gerade mit seinem Sohn aus dem Urlaub zurückgekehrt. Sie brauchten Abstand vom Alltag, um zur Ruhe zu kommen, gemeinsam zu trauern und Trost in Erinnerungen zu suchen - an Lydia, Ehefrau und Mutter, die vor wenigen Wochen verstarb. Nach einem Schlaganfall wurde die Delbrückerin jahrelang von ihrem Mann gepflegt. Die ganze Geschichte:

2017 unterzieht sich Lydia einer neurologischen Operation. Sie hat gerade ihren verdienten Ruhestand angetreten. Nach dem Eingriff möchte sie gemeinsam mit ihrem Mann verschiedene Reisen antreten. Aber plötzlich verändert ein Augenblick alles: Im Aufwachraum des Krankenhauses erleidet Lydia Zehe nach der OPkurz fürOperation einen Schlaganfall.
Umgehend wird sie in eine Spezialklinik verlegt. „Doch die Ärzte signalisierten mir direkt, dass es sich um einen Anfall mit besonderer Schwere handeln würde“, erzählt Manfred Zehe. Die Folge: Seine Frau ist linksseitig gelähmt, und ihre Wahrnehmung nach links ist deutlich beeinträchtigt.
Komplexes System
Nach drei Wochen Akutbehandlung in der Klinik folgt eine Anschluss-Reha. Auch dort erhält Manfred Zehe von den Therapeuten die gleiche niederschmetternde Diagnose: „Sie werden nicht viel erwarten können. Ihre Frau wird pflegebedürftig bleiben und auf umfassende Hilfe angewiesen sein.“ Was nun? Der Delbrücker macht sich Gedanken über die Zukunft. Pflegeheim, Tages- und Kurzzeitpflege oder Pflege zu Hause – „Wir haben uns einmal geschworen, in guten wie in schlechten Zeiten. Von daher habe ich gesagt: Wir bekommen das gewuppt.“
Manfred Zehe bereitet daheim alles sorgfältig vor. Er besucht einen Pflegekurs, um neben praktischen Tipps auch rechtliche Aspekte kennenzulernen. „Wann aber muss ich was wie beantragen? Welche Leistungen stehen uns eigentlich zu? Das war über die Jahre hinweg kaum nachzuvollziehen und eher unklar“, ärgert er sich über das komplexe Pflegesystem. Allein für die Höherstufung des Pflegegrades sind mehrere Widersprüche nötig.
VdK unterstützt ihn
Besonders der Medizinische Dienst macht ihm das Leben schwer – vor allem in der Corona-Zeit: „Das Gutachten basierte lediglich auf einem Telefoninterview – und war leider komplett unzutreffend.“ Auch mit der Krankenkasse gibt es Differenzen.
Diese verweigert die Genehmigung eines Dreirad-Tandems zur Mobilitätsförderung seiner Frau, da es nicht im offiziellen Hilfsmittel-Katalog verankert ist. Also bezahlt der Ehemann das Tandem aus eigener Tasche und klagt mit Unterstützung der VdK-Rechtsabteilung Detmold vor dem Sozialgericht. Das Urteil steht bis heute aus.
Tragisches Ende
Für Manfred Zehe jedoch spielt dieser Ausgang die ganze Zeit keine Rolle. Er möchte seiner Frau das Leben zu Hause so angenehm wie möglich gestalten – und ist rund um die Uhr für sie da. Bis Lydia Zehe eines Tages am Waschbecken plötzlich den Halt verliert und sich beim Sturz auf den Boden einen Oberschenkelhalsbruch zuzieht.
Nach der Operation im Krankenhaus versagen ihre Organe, die Ärzte kämpfen um sie. Doch Lydia Zehe erholt sich nicht mehr und verstirbt wenige Tage später.
VdK-Serie: Pflege - Hände, die Halt geben
Ende 2024 hatten wir in der VdK-Zeitung einen Aufruf an pflegende Angehörige gerichtet – mit der Bitte, uns ihre Geschichte zu erzählen. Es gab zahlreiche, sehr emotionale Rückmeldungen. In unserer Serie „Pflege: Hände, die Halt geben“ möchten wir diesen Menschen ein Gesicht geben. Wir als Sozialverband VdK NRW werden uns weiter stark für Verbesserungen in der Pflege einsetzen!