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Kleiner Kreisverbandstag in Düsseldorf: Wachsender Beratungsbedarf spiegelt soziale Lage wider

Von: Peter Ries

Vierundvierzig Delegierte aus den Ortsverbänden des VdK-Kreisverbands Düsseldorf trafen sich am 30. Mai im Bürgerhaus Bilk zum Kleinen Kreisverbandstag. Neben aktuellen Berichten standen wichtige Wahlen sowie ein richtungsweisender Beschluss zur Stärkung des Ehrenamts auf der Tagesordnung.

Viele Menschen sitzen an langen Tischen in einem Saal. Vorne ist eine Bühne mit Leinwand.
Die Veranstaltung fand im Bürgerhaus Bilk statt.

Den Auftakt bildete der Vorstandsbericht des Kreisvorsitzenden Peter Jeromin, der einen umfassenden Einblick in die Entwicklung der Verbandsarbeit gab. Dabei zeichnete Jeromin ein Bild, das die gesellschaftliche Realität vieler Menschen in Düsseldorf widerspiegelt: Die Zahl der Beratungen, Widersprüche und Klagen hat in den vergangenen Monaten erheblich zugenommen – besonders im Bereich der Rentenversicherung und Behindertenangelegenheiten. 

Angesichts der anhaltend schwierigen wirtschaftlichen Lage rechnet der Vorsitzende damit, dass dieser Trend sich fortsetzen wird. Jeromin hob in diesem Zusammenhang die hervorragende Zusammenarbeit zwischen haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern hervor, die diese wachsende Last gemeinsam schultern. Ohne dieses Engagement, so machte er deutlich, wäre die Betreuung der stetig steigenden Zahl hilfesuchender Mitglieder nicht zu bewältigen. Kreisgeschäftsführer Marc Thiele schloss sich dieser Einschätzung an und bestätigte den erheblichen Zulauf zur Beratungsstelle. 

Als wesentliche Ursachen nannte er Sozialkürzungen sowie eine Reihe von Gesetzesänderungen, die viele Menschen in finanzielle Schwierigkeiten gebracht haben oder bringen werden. Er prognostizierte, dass sich dieser Trend in absehbarer Zeit nicht abschwächen werde.

Beeindruckende Zahlen 

Besonders eindrucksvoll waren die konkreten Zahlen, die Syndikusrechtsanwalt Georg Hillmeister den Delegierten präsentierte. Allein im Jahr 2025 fanden fast 2.000 Beratungen statt – eine bemerkenswerte Zahl, die den enormen Bedarf an rechtlicher Unterstützung verdeutlicht. Die meisten Menschen suchten Hilfe bei Problemen mit der Rentenversicherung und dem Behindertenrecht. Direkt danach folgten Beratungen rund um das Pflegerecht. 

Das Ergebnis dieser engagierten Beratungen ist beachtlich: Durch erfolgreiche Widersprüche und Klagen wurden im Jahr 2025 über 600.000 Euro an Erstattungen für die Mitglieder erstritten. Diese Summe macht greifbar, welchen konkreten Mehrwert der VdK für die Menschen in Düsseldorf schafft – und unterstreicht die Bedeutung einer starken Interessenvertretung in sozialen Fragen. Hauptkassierer Arno Wachtel konnte zwar eine solide Finanzentwicklung des Verbandes bescheinigen, mahnte jedoch zur Vorsicht: Aufgrund bevorstehender gesetzlicher Änderungen und der allgemeinen wirtschaftlichen Lage könnte sich die Finanzlage im kommenden Jahr verändern. Eine vorausschauende Haushaltsführung sei daher unerlässlich.

Personelle Entscheidungen 

Im Rahmen des Kreisverbandstags wurden nach der Entlastung des Vorstands durch die Delegierten wichtige Personalentscheidungen getroffen. Martina Meurer vom Ortsverband Fliegern wurde einstimmig zur neuen Beisitzerin im Kreisvorstand gewählt – ein klares Zeichen des Vertrauens der Delegierten in ihre Person und ihr Engagement. Für den Landesverbandstag 2027/2028 wurden Lydia Ossig und Arno Wachtel als Delegierte sowie Peter Ries als Ersatzmann bestimmt.

Darüber hinaus nutzte Peter Jeromin die Gelegenheit, ein Thema anzusprechen, das ihm sichtlich am Herzen liegt: die Frage der Nachfolge an der Verbandsspitze. Obwohl die nächsten Vorstandswahlen erst in zwei Jahren anstehen, rief er die Mitglieder dazu auf, sich frühzeitig Gedanken über mögliche Kandidatinnen und Kandidaten zu machen. Jeromin, der seit zehn Jahren den Kreisverband mit großem Einsatz leitet, betonte, dass eine geordnete Übergabe im Sinne des Verbandes und seiner Mitglieder sei. Er versicherte, dass die bewährten Strukturen und die enge Zusammenarbeit mit den haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern einem neuen Vorstand die Einarbeitung erheblich erleichtern würden.

Ehrenamtspauschale

Eines der zentralen Ergebnisse des Kreisverbandstages war der Beschluss zur Einführung einer Ehrenamtspauschale. Ehrenamtliche Mitarbeiter, die regelmäßig und dauerhaft für den VdK tätig sind und dabei wichtige Aufgaben übernehmen, sollen künftig eine finanzielle Anerkennung erhalten. Die Pauschale kann über den jeweiligen Ortsverband beantragt und an den Kreisverband weitergeleitet werden, der bei Erfüllung der Voraussetzungen einen entsprechenden Beschluss fasst. 

Die Regelung gilt rückwirkend seit dem 1. Januar 2026. Damit sendet der Verband ein klares Signal der Wertschätzung gegenüber all jenen, die sich ohne Bezahlung für die Belange sozial benachteiligter Menschen einsetzen.

Pflegescouts: Hilfe im Alltag 

Stellvertretender Vorsitzender Norbert Zielonka berichtete über die erfolgreiche Arbeit der Pflegescouts – eines Projekts, das pflegebedürftigen Menschen und ihren Angehörigen im Alltag konkrete Orientierung und Unterstützung bietet. Die bisherige Arbeit sei sehr erfolgreich verlaufen, so Zielonka, doch um noch mehr Menschen erreichen zu können, werden dringend ein bis drei weitere engagierte Freiwillige gesucht. Er betonte ausdrücklich, dass Interessierte umfassend eingeführt und geschult werden – Vorkenntnisse sind also keine Voraussetzung, nur der Wille zu helfen.

Dank und Ausblick

Peter Jeromin schloss den Kreisverbandstag mit herzlichem Dank an alle Beteiligten – an die Delegierten, die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter sowie an das Team des Bürgerhauses Bilk für die stets freundliche Aufnahme. Gerade letzteres sei, wie Jeromin betonte, keine Selbstverständlichkeit mehr: Angesichts der zunehmenden Schließung früherer Versammlungsorte für Bürgervereine und Organisationen werde es immer schwieriger, geeignete Treffpunkte für bürgerschaftliches Engagement zu finden. 

Der diesjährige Kreisverbandstag hat einmal mehr gezeigt, wie unverzichtbar der VdK Düsseldorf als Stimme für soziale Gerechtigkeit ist. In Zeiten wachsender Ungleichheit und sozialer Unsicherheit ist seine Arbeit wichtiger denn je – und die Zahlen belegen: Dieser Einsatz zahlt sich aus, im wahrsten Sinne des Wortes.