Ein Leben lang gearbeitet – und im Alter trotzdem arm

Von: Martin Franke und Tobias Zaplata

Grundsicherung: Neue Zahlen „besorgniserregend“ – zum 5. Mal in Folge gestiegen

Eine ältere Frau sitzt an einem Küchentisch, sie sieht besorgt und niedergeschlagen aus. Auf dem Tisch vor ihr liegt ein Brief, daneben ihre Lesebrille.
© VdK

Die Zahl der Menschen, die im Alter Grundsicherung beziehen, ist laut IT.NRW zum fünften Mal in Folge gestiegen. Für den Sozialverband VdK NRW kommt diese Entwicklung nicht überraschend, besorgniserregend ist sie allemal. Immer mehr Menschen haben trotz eines langen Erwerbslebens eine Rente, die angesichts steigender Mieten, Energie- und Lebenshaltungskosten kaum zum Leben reicht.

Die Quoten sind laut IT.NRW vor allem in den Großstädten wie Köln und Düsseldorf besonders ausgeprägt – also gerade dort, wo die Wohnkosten am höchsten sind. Der VdK NRW warnt deshalb vor den Folgen der geplanten Wohngeldkürzungen: Sollte die Bundesregierung die Reform wie vorgesehen umsetzen, könnten zahlreiche Wohngeldempfänger künftig auf Leistungen der Grundsicherung angewiesen sein.

VdK-Präsident Horst Vöge sagt: „Wie groß die finanzielle Not ist, erleben wir in unserer täglichen Beratungspraxis. Viele Betroffene können nach Abzug ihrer laufenden Kosten kaum noch am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Auch Menschen, die wegen einer Erkrankung nicht mehr arbeiten können und Unterstützung bei der Erwerbsminderungsrente benötigen, suchen zunehmend unsere Hilfe."

Hinzu kommt eine hohe Dunkelziffer: Schätzungen zufolge nehmen rund 40-60 Prozent der Menschen, die grundsätzlich Anspruch auf Sozialleistungen haben, diese nicht in Anspruch. Gerade ältere Menschen schämen sich häufig, nach einem langen Arbeitsleben Sozialhilfe beantragen zu müssen. Andere scheitern an fehlenden Informationen oder komplizierten Antragsverfahren.

Der VdK NRW fordert deshalb einen leichteren Zugang zu Sozialleistungen und eine verlässliche Alterssicherung. „Niemand sollte nach einem langen Arbeitsleben in Armut leben oder aus Scham auf Unterstützung verzichten müssen“, betont Horst Vöge.