Der vilmA-Preis 2025
"vilmA - vorbildlich, individuell, leistungsstark und motiviert in der Arbeitswelt" - über diese Auszeichnung freuen sich 2025 acht Preisträgerinnen und Preisträger.

Preisträger Dennis Baaske
Dennis Baaske bringt seine Fähigkeiten als Mitarbeiter der Reinraummontage bei der ABB AG in Ratingen ein. Seine Kolleginnen und Kollegen schätzen ihn als äußerst hilfsbereit und zuverlässig – obwohl die Kommunikation am Arbeitsplatz für ihn mit besonderen Hürden verbunden ist. In der Reinraummontage arbeiten alle mit Mundschutz und Kopfhaube. Für Dennis Baaske, der von Geburt an hochgradig schwerhörig ist, erschwert dies die Kommunikation, weil er nicht von den Lippen ablesen kann. Hinzu kommt, dass er infolge einer Erkrankung auf dem rechten Auge blind ist und sein ohnehin eingeschränktes Sichtfeld durch die Kopfhaube weiter reduziert wird. Auch mit dieser Einschränkung liebt er seine Arbeit und lässt sich durch nichts entmutigen. Im Gegenteil: Dennis Baaske begegnet seinem Alltag mit einer großen Portion Humor – und setzt seine drei verschiedenfarbigen Glasaugen je nach Stimmung ein.

Preisträgerin Susanne Höch
Susanne Höch ist Frauenbeauftragte bei den Werkstätten der Lebenshilfe Oberhausen und außerdem als Sortiererin bei der Firma Sträubli auf einem Außenarbeitsplatz tätig. An drei Tagen in der Woche besucht sie die vier Standorte der Werkstätten und bietet dort offene Sprechstunden an. Zudem organisiert sie regelmäßig Cafés, bei denen sich ausschließlich die weiblichen Werkstattbeschäftigten offen und ungezwungen austauschen können. Besonders stolz ist sie darauf, dass sie in ihrer Rolle als Beauftragte bereits vielen Frauen weiterhelfen konnte. Darüber hinaus engagiert sich Susanne Höch im Beirat der Stadt Oberhausen für Menschen mit Behinderungen und wirkt dort im Arbeitskreis Inklusion mit. In allen Gremien achtet sie bewusst auf leichte und einfache Sprache, damit möglichst viele Menschen ihren Anliegen folgen können. Da sie selbst eine kognitive Einschränkung hat, weiß Susanne Höch genau, worauf es ankommt – und tritt offen, selbstbewusst und auch vor großem Publikum für die Rechte von Menschen mit Behinderungen ein.

Preisträgerin Delia Jung
Delia Jung unterrichtet an der Johanna-Ruß-Schule e.V. in Siegen, an der Kinder nach den Grundsätzen der Waldorfpädagogik in ihren individuellen Fähigkeiten gefördert werden. Seit einer schweren Operation im Erwachsenenalter ist sie gehörlos; inzwischen trägt sie ein Cochlea-Implantat und musste völlig neue Kommunikationswege erlernen. Dabei nutzt sie technische Hilfsmittel wie Mikrofone und Transkriptions-Apps. Die Gebärdensprache gibt sie nun auch an hörende Schülerinnen und Schüler weiter. Delia Jung ist eine herausragende Pädagogin, die ihre eigene Lebensrealität empathisch und stärkend in ihre Arbeit einfließen lässt und eindrucksvoll zeigt, dass man große Hürden überwinden kann, wenn man an sich glaubt, kreativ bleibt und sich gegenseitig unterstützt. Sie hält ihre Klasse zusammen und hat für alle ein „offenes Ohr“ – dafür schätzen sie ihre Schützlinge ganz besonders. Ihr unerschütterlicher Wille, sich jeder Herausforderung zu stellen, prägt nicht nur ihren Unterricht, sondern auch ihr Engagement für bessere Rahmenbedingungen an der Schule. Darüber hinaus setzt sich Delia Jung ehrenamtlich ein, etwa als Kuratoriumsmitglied der Merlin Foundation, die sich der Erforschung seltener Erkrankungen widmet.

Preisträgerin Sylwia Knorr
Sylwia Knorr ist Verwaltungsangestellte bei der gemeinnützigen Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft Hephata mbH Mönchengladbach. Geboren als siamesischer Zwilling, stand sie schon früh vor großen medizinischen Hürden. Zahlreiche Operationen und lange Krankheitsphasen und auch Zeiten der Wohnungslosigkeit haben ihr Leben geprägt, doch sie hat nie aufgegeben – selbst nicht, als sie seit 2016, nach einer schweren operativen Verletzung, ihren rechten Arm nahezu nicht mehr nutzen kann. Sie wollte nicht in Frührente gehen. Sie wollte weiterarbeiten. Die 47-Jährige ist eine imponierende Persönlichkeit und eine Kämpfernatur. Sie ist stets bereit, neue Wege zu gehen, auch wenn sie steinig sind. Trotz ihrer Einschränkungen ist sie stets die Erste, die mit anpackt, und die Letzte, die aufhört. Sie beeindruckt mit ihrem taffen und positiven Umgang mit ihren Beeinträchtigungen.

Preisträger Tobias Koddebusch
Tobias Koddebusch arbeitet als landwirtschaftlicher Helfer bei der Bertelsbeck GbR in Coesfeld. Diese Aufgabe erfüllt der 26-Jährige mit Down-Syndrom zuverlässig, tatkräftig und mit großem handwerklichem Geschick. Auch ehrenamtlich engagiert er sich stark. So bringt er sich politisch in seiner Stadt ein, nimmt an Diskussionsrunden teil, besucht Veranstaltungen und wirkt bei sozialen Projekten sowie politischen Bildungsangeboten mit. Bei der Landjugend sorgt Tobias Koddebusch mit seinem anpackenden Wesen, seiner positiven Ausstrahlung und ansteckenden Energie für gute Stimmung und stellt eine echte Bereicherung für die Gemeinschaft dar.

Preisträgerin Marion Mellinghoff
Als Betreuungsassistentin sowie Sterbe- und Trauerbegleiterin prägt Marion Mellinghoff das Leben in der Curata Seniorenresidenz in Dinslaken auf besondere Weise. Im Kollegenkreis wie auch bei den Bewohnerinnen und Bewohnern wird sie für ihre unermüdliche Tatkraft, Kreativität, Lebensfreude und „manchmal herrlich laute Art“ geschätzt – eine Art, mit der sie Angehörigen und Bewohnern selbst in schwierigen Momenten Halt gibt. Die Arbeit in der Seniorenresidenz bezeichnet Marion Mellinghoff als großen Glücksfall und als ihren „zweiten Wohnsitz“. Zwar hat sie ursprünglich eine Ausbildung zur Elektrikerin absolviert, doch schon als Kind wollte sie am liebsten mit älteren Menschen arbeiten. Humor ist dabei für sie ein unverzichtbarer Begleiter. „Ich lebe und arbeite auf vier Rädern und überzeuge Sie gerne von meinen Fähigkeiten“, schrieb die selbstbewusste Rollstuhlfahrerin mit Herzkrankheit bereits in ihrem Bewerbungsschreiben – und weckte damit die Neugier ihres zukünftigen Arbeitgebers. Ihre Leidenschaft für die Pflege und ihre Verbundenheit zum Unternehmen trägt Marion Mellinghoff sogar auf der Haut: Auf ihrem linken Unterarm prangt das Tattoo „Curata forever.“ Sie sagt: „Hier möchte ich bis zur Rente arbeiten, hier möchte ich auch sterben.“

Preisträgerin Faowzia Möwes
Faowzia Möwes leitet bei der LAG Selbsthilfe NRW mit Sitz in Münster das Projekt „SelbsthilfeHelden“. Den Spagat zwischen ihren Rollen als alleinerziehende Mutter, ihrer Berufstätigkeit, die sie mit einer neuromuskulären Erkrankung bewältigt, und ihrem ehrenamtlichen Engagement, unter anderem für die Deutsche Myasthenie Gesellschaft, meistert sie täglich. Mit „SelbsthilfeHelden“ hat sie in den vergangenen Jahren zahlreiche Bildungs- und Aufklärungsformate entwickelt und durchgeführt. Dabei konnte sie viele Menschen erreichen. Aufgrund ihrer Behinderung kann Faowzia Möwes ihre Aufgaben manchmal nur aus dem Bett oder sogar aus dem Krankenhaus wahrnehmen – aber sie bleibt dennoch zuverlässig, immer ansprechbar, organisiert Meetings oder sorgt für Ersatz.
Aus ihrer persönlichen Überzeugung heraus - ‚Jeder Tag stellt uns vor die Wahl: liegen bleiben oder aufstehen‘ - entscheidet sich die gebürtige Algerierin, die in ihrem Leben bereits Erfahrungen mit Flucht, Gewalt und Wohnungslosigkeit gemacht hat, jeden Tag aufs Neue fürs Aufstehen.

Preisträgerin Sharuja Thangakumaran
Sharuja Thangakumaran absolviert ihre Ausbildung zur Vermessungstechnikerin beim Regionalverband Ruhr in Essen. Sie ist von Geburt an gehörlos. Da der Berufsschulunterricht für gehörlose Menschen in Essen nicht mehr angeboten wird, nimmt sie am Unterricht für hörende Schülerinnen und Schüler teil. Trotz der Unterstützung durch Gebärdensprachdolmetscher stellt sie das vor große Herausforderungen – Herausforderungen, die sie aber mit beeindruckendem Ehrgeiz und großer Hartnäckigkeit meistert. Im Ausbildungsbetrieb zeigt Sharuja Thangakumaran hohe Motivation und großes Interesse an ihrem Beruf. Gemeinsam mit einem ebenfalls gehörlosen Kollegen hat sie einen Gebärdensprachkurs für das gesamte Team initiiert und stärkt damit die Gemeinschaft und das gegenseitige Verständnis. Soziale Teilhabe ist ihr ein zentrales Anliegen. Trotz der hohen Kosten für Dolmetscherdienste und des organisatorischen Aufwands nimmt Sharuja Thangakumaran aktiv an Familienfesten, Museumsführungen, Vorträgen und vielen anderen Veranstaltungen teil.
