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Zahl der Pflegebedürftigen, die auf Sozialhilfe angewiesen sind steigt rasant - VdK fordert schnelles Handeln

Von: Tobias Zaplata

Bis 2050 wird jede zehnte Person in Nordrhein-Westfalen pflegebedürftig sein – dies ergibt eine neue Pflegemodellrechnung von IT.NRW als Statistisches Landesamt. Der Sozialverband VdK NRW betrachtet diese Vorausrechnungen mit großer Sorge und fordert rasche Maßnahmen.

Immer mehr Pflegebedürftige und deren Angehörige wissen oft nicht, welche Hilfsleistungen ihnen zustehen. © IMAGO_Westend61

Die größten Zuwächse sind bei der stationären Pflege und den ambulanten Pflegediensten zu erwarten. So wird im Vergleich zum Jahr 2023 die Zahl der Pflegebedürftigen in stationärer Pflege um gut ein Drittel steigen, während die Zahl der durch ambulante Pflegedienste versorgten Menschen im gleichen Zeitraum um 28 Prozent wächst.

„Babyboomer“

Zum Hintergrund: Im kommenden Vierteljahrhundert erreichen die geburtenstarken Jahrgänge der "Babyboomer"-Generation ein Alter mit hohem Risiko, pflegebedürftig zu werden. Besonders stark betroffen sind dabei die Kreise im Münsterland: Die höchsten Zuwächse erwartet IT.NRW in Coesfeld (+ 46 Prozent) und Borken (+ 45 Prozent). Auch die Stadt Münster liegt mit einem prognostizierten Anstieg von 37 Prozent deutlich über dem Landesdurchschnitt von 21 Prozent.

„Offenbarungseid“

Besonders alarmierend ist aus Sicht des VdK, dass bereits heute viele Pflegebedürftige auf Sozialhilfe angewiesen sind. Laut IT.NRW erhalten in unserem Bundesland mehr als 104.000 Menschen „Hilfe zur Pflege“ (Sozialhilfe). Dies bedeutet eine zusätzliche Belastung für die Kommunen – und einen Anstieg von 4,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. „Dass inzwischen so viele Pflegebedürftige Sozialhilfe benötigen, ist ein sozialpolitischer Offenbarungseid“, erklärt VdK-Präsident Horst Vöge.

Mit Blick auf die vom Bund eingesetzte Pflegekommission mahnt der VdK NRW Tempo an. „Die Kommission darf nicht zu einem weiteren politischen Verzögerungsinstrument werden. Dass erst Ende August Ergebnisse vorgelegt werden sollen, kann angesichts der Entwicklung nicht richtig sein – Pflege wartet nicht.“

Der Verband fordert daher rasche Maßnahmen zur Stabilisierung der Pflegeversicherung und zur Begrenzung der Eigenanteile, die aus VdK-Sicht nur mit einer grundlegenden Reform der Pflegeversicherung erfolgen kann.