Kategorie VdK-Zeitung Aktuelle Meldung Erfolgsgeschichte Behinderung im Job Teilhabe

Unsere Zeit nach dem VdK-Preis vilmA: Wie die Auszeichnung Mut gemacht, Türen geöffnet und neue Perspektiven geschaffen hat

Von: Tobias Zaplata

Der Moment der Auszeichnung war unvergesslich. Doch was ist seitdem passiert? Ehemalige Gewinnerinnen und Gewinner des vilmA-Preises erzählen in der VdK-Zeitung, wie sich ihr Berufsleben weiterentwickelt hat, welche Impulse die Ehrung gesetzt hat und wie sie Inklusion im Alltag erleben.

Collage mit sechs Portätbildern der vilmA-Preisträgerinnen und Preisträger aus den letzten 10 Jahren.
© privat/ www.eventfotograf.in

Zehn Mal bereits hat der Sozialverband VdK NRW den VdK-Preis für Menschen mit Behinderung in Beschäftigung und Ausbildung vergeben, seit 2013 trägt dieser den Beinamen vilmA (steht für vorbildlich, individuell, leistungsstark und motiviert in der Arbeitswelt.

Wilfried Klein

Am 16. Oktober 2008 erhielt Wilfried Klein als erster den VdK-Preis, der damals noch unter dem Namen „Integrationspreis“ vergeben wurde. Die Ehrung fand im Rahmen der Fachmesse Rehacare in Düsseldorf statt. Zu dieser Zeit war der Architekt stellvertretender Leiter des Planungsamtes der Stadt Dinslaken – eine Position, die er bis November 2011 innehatte.

Von Ruhestand konnte jedoch kaum die Rede sein. Nach seiner Pensionierung widmete sich Wilfried Klein ganz seiner großen Leidenschaft: dem Sport. Bereits in jungen Jahren feierte der in Balve, im Sauerland geborene, als Rollstuhlbasketballer zahlreiche Erfolge, darunter mehrere Deutsche Meistertitel, und nahm an den Paralympischen Spielen 1976 in Toronto sowie 1980 in Arnheim teil. Seit einem Unfall vor 58 Jahren ist Wilfried Klein querschnittsgelähmt.

Auch über seine aktive Sportlerlaufbahn hinaus engagierte er sich in verantwortungsvollen Funktionen, unter anderem als Vizepräsident des IFDS, des Weltsegelverbandes für Menschen mit Behinderung. Heute ist der 78-Jährige weiterhin ehrenamtlich aktiv – als stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Rollstuhl-Sportverbandes sowie als Vorsitzender der Stiftung Deutscher Rollstuhlsport.

Mit einem Augenzwinkern blickt der VdK-Preisträger aus Wesel auf seine zahlreichen Reisen zurück: 

„Ich bin in fast 50 Ländern gewesen. Meine Frau hat es gefreut, weil sie sich die Gegend anschauen konnte. Ich habe meist nur den Flughafen und das Tagungshotel gesehen.“

Andrea Sahlmen

„Die wohl positivste Nachricht ist, dass ich mittlerweile einen festen Vertrag bekommen habe“, freut sich Andrea Sahlmen, vilmA-Preisträgerin von 2017. Damals hatte die Journalistin noch für den "Mutterkonzern" Neue Westfälische gearbeitet, mittlerweile ist sie beim Tochterunternehmen OWL Digital in Bielefeld als SEO Redakteurin angestellt. „Ich suche nach Trendthemen, die wir dann redaktionell umsetzen“, erklärt die gebürtige Kölnerin, die aufgrund einer Muskelschwäche auf einen Elektrorollstuhl angewiesen ist.

Ihr größter Vorteil heute: Sie kann ihre Arbeit komplett aus dem Homeoffice erledigen, um sich bestmöglich vor Infektionen zu schützen. Erst im vergangenen Sommer erkrankte Andrea Sahlmen an einer schweren Influenza mit Lungenentzündung und lag fünf Wochen auf einer Intensivstation. Weil sie seitdem mehr Erholungsphasen benötigt, hat die 33-Jährige ihre Arbeitszeit auf 20 Wochenstunden reduziert: 

„Ich bin sehr dankbar, dass mein Arbeitgeber immer hinter mir stand. So kann ich für meinen Lebensunterhalt selbst Geld verdienen und mir beispielsweise auch einen Urlaub finanzieren.“

Um die Teilhabe in unserer Gesellschaft zu verbessern, müsse aus ihrer Sicht Inklusion bereits in Kitas und Schulen flächendeckend gelebt werden: „Dann wachsen die Kleinen ganz selbstverständlich damit auf. Das würde vieles erleichtern.“

Eleni Fischer

Nach wie vor glücklich im Jobcenter Rhein-Sieg ist Eleni Fischer, vilmA-Gewinnerin von 2019. Seit inzwischen 19 Jahren regelt sie als Fachassistentin die Grundsicherung für Arbeitsuchende. Eine Veränderung wird es in diesem Jahr geben, denn sie kandidiert für das Amt der Schwerbehindertenvertretung.

Die Nominierung durch ihre Kolleginnen und Kollegen sowie die Auszeichnung durch den VdK haben für die Sankt Augustinerin eine große Bedeutung. „Sie zeigen, dass meine Arbeit wahrgenommen und wertgeschätzt wird“, sagt Eleni Fischer – unabhängig von ihrer körperlichen Einschränkung, einer Querschnittslähmung.

Deutlichen Handlungsbedarf sieht sie beim Thema Inklusion: „Es braucht mehr Bewusstsein für die Vielfalt der Menschen in unserer Gesellschaft. Außerdem müssen mehr Arbeitsplätze geschaffen und passgenaue Förderangebote für Menschen mit Behinderungen ausgebaut werden.“ Auch die konsequente Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention ist aus ihrer Sicht längst überfällig:

 „Inklusion ist kein Luxus, sondern ein Menschenrecht!“

Friedrich Zaunbrecher

Schritt für Schritt hat Friedrich Zaunbrecher bei der Kreissparkasse Heinsberg (KSK) in der Geschäftsstelle Geilenkirchen seinen festen Platz gefunden. Nach einem schweren Unfall 2005, der ihn zwang, Motorik und Sprache neu zu erlernen, bearbeitet der Bankkaufmann Pfändungen. „Mit den Jahren sind mir meine Aufgaben immer vertrauter geworden. Ich bin hier wirklich gewachsen“, sagt der vilmA-Champion von 2019.

Für Friedrich Zaunbrecher war es ein besonders schöner Moment, als sein Arbeitgeber die VdK-Preisverleihung im Intranet würdigte. So erfuhren alle Kolleginnen und Kollegen von seiner Auszeichnung. Die Kreissparkasse bietet ihm auf seinem Weg zurück in ein selbstbestimmtes Leben große Unterstützung. Neben einer Einhandtastatur erhielt er einen Parkplatz direkt am Eingang. 

„Hier wird wirklich auf meine Bedürfnisse geachtet. Ich fühle mich sehr wohl“, 

betont Friedrich Zaunbrecher.

Tabea Bigge

Zu einer festen Größe im DRKkurz fürDeutsches Rotes Kreuz Seniorenzentrum Bernhard-Salzmann-Haus in Meschede ist Tabea Bigge geworden. Dort bereichert die vilmA-Gewinnerin von 2021 mit viel ansteckender Freude und Motivation in den Wohngemeinschaften den Alltag älterer Menschen. 

„Ich bin stolz darauf, dass ich etwas leiste, was bei meiner Vorerkrankung beziehungsweise Handicaps nicht selbstverständlich ist“, 

sagt Tabea Bigge, die beidseitig hörgemindert und in ihrer Bewegung eingeschränkt ist. Aufgrund ihrer Beeinträchtigungen wünscht sie sich im Alltag deutlich mehr Barrierefreiheit, zum Beispiel bei Bahnfahrten.

Dana Kreuels

Erst vor drei Jahren gewann Dana Kreuels den vilmA-Preis, doch in dieser kurzen Zeit hat sie große berufliche Fortschritte erzielt: Nach ihrer erfolgreich abgeschlossenen Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement ist sie inzwischen in der Verwaltung des Landtags NRW in Düsseldorf fest angestellt.

 „Ich bin sehr dankbar, meinen erlernten Beruf ausüben zu können und einen festen Platz im Arbeitsleben gefunden zu haben“, 

sagt Dana Kreuels, die aufgrund ihrer Multiplen Sklerose auf einen Rollstuhl angewiesen ist.

Gestärkt fühlt sie sich auch durch den VdK-Preis: „Ich habe zusätzlich an Selbstvertrauen gewonnen und gemerkt, dass meine Leistungen und meine Persönlichkeit gesehen und wertgeschätzt werden.“ Darüber hinaus konnte sie in ihrem Umfeld stärker für das Thema Inklusion sensibilisieren. „In vielen Bereichen ist Inklusion dadurch kein Fremdwort mehr, sondern ein selbstverständlicher Teil des Miteinanders“, erklärt Dana Kreuels. 

Hierzu braucht es aus ihrer Sicht dennoch mehr Aufklärungsarbeit. Dabei komme es vor allem auf transparente und gut zugängliche Unterstützungsangebote durch Institutionen an – komplizierte Verfahren und Strukturen erschwerten eine gleichberechtigte Mitgestaltung.