Kategorie Inklusion Teilhabe

„Inklusion ist ein Gewinn für uns alle“ - NRW-Landtagspräsident und vilmA-Schirmherr André Kuper im Interview

Seit Jahren zeigt sich NRW-Landtagspräsident André Kuper beeindruckt vom VdK-Preis vilmA – vor allem vom Engagement der Preisträgerinnen und Preisträger. Als Schirmherr der diesjährigen Verleihung spricht er im Interview mit der VdK-Redaktion über gelebte Inklusion und Teilhabe im Alltag.

Porträt von André Kuper vor der NRW-Flagge.
André Kuper ist seit dem 1. Juni 2017 Landtagspräsident von Nordrhein-Westfalen. © Landtag NRW/Bernd Schälte

Herr Kuper, Sie übernehmen bereits zum dritten Mal die Schirmherrschaft für den vilmA-Preis. Was bedeutet Ihnen persönlich dieses Engagement?

 André Kuper: Dieses Engagement liegt mir sehr am Herzen. Der vilmA-Preis steht für Menschen, die mit beeindruckender Motivation, Kreativität und Leistungsbereitschaft ihren Platz im Berufsleben erkämpft und gefunden haben - und das trotz oder gerade wegen einer Behinderung. Als Präsident des Landtags ist es mir wichtig, dass wir im Parlament auch die leisen Stimmen der Gesellschaft hören. 

Jeder Mensch hat wertvolle Fähigkeiten und Talente. Die Preisträgerinnen und Preisträger beweisen, dass Menschen mit Behinderung ihren Job leisten können wie jeder andere auch. Mit der richtigen Unterstützung sind sie eine Bereicherung für jedes Unternehmen. Der vilmA-Preis macht diese Stärken sichtbar. Dass ich die Auszeichnung als Schirmherr begleite, erfüllt mich mit Dankbarkeit. Und es zeigt, dass diese Partnerschaft trägt und wir ein starkes Zeichen für Inklusion in Nordrhein-Westfalen setzen.

Der Preis wird in diesem Jahr zum 10. Mal verliehen. Was macht ihn in Ihren Augen besonders – auch im Vergleich zu anderen Auszeichnungen?

 Der vilmA-Preis ist einzigartig, weil er konkrete Erfolge von Menschen mit Behinderung in der Arbeitswelt sichtbar macht, in Betrieben, Verwaltungen, Hochschulen oder Werkstätten. Vilma-Preisträgerinnen und Preisträger sind vielfache Mutmacher und vorbildliche menschliche „Leuchttürme“. Der Preis würdigt ihre individuellen Leistungen, feiert die Vielfalt unserer Gesellschaft und ist ein inspirierendes Signal für Inklusion in Nordrhein-Westfalen. 

Die Preisträgerinnen und Preisträger 2023 beeindruckten mit ihren Lebensgeschichten: etwa Samanta Kliner, die beim Landeskriminalamt als sogenannte „Super-Recognizerin“ Gesichter wiedererkennt und damit eine außergewöhnliche Begabung für die Polizeiarbeit einbringt, oder Björn Esser von den Rurtalwerkstätten Düren, der mit großem Engagement ein Vorbild für die Kolleginnen und Kollegen ist. Auch Johanna Hybel, die als Konditorin trotz Epilepsie und Schwerhörigkeit den Meisterlehrgang besucht, zeigt: Inklusion ist keine abstrakte Idee, sondern sie wird durch die Menschen und ihre Projekte lebendig und konkret.

Wie schätzen Sie den aktuellen Stand der Inklusion in Nordrhein-Westfalen ein – insbesondere mit Blick auf Ausbildung und Arbeitsleben?

In Nordrhein-Westfalen ist das Bewusstsein für Inklusion deutlich gewachsen, zum Beispiel in Kitas, Schulen und Universitäten. Aber auch immer mehr Unternehmen erkennen, dass diese Art der Vielfalt ein Gewinn ist, auch wirtschaftlich. Betriebe schaffen heute gezielt Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung, passen Strukturen an und investieren in barrierefreie Arbeitsumgebungen. Programme zur beruflichen Qualifizierung, Praktika und Unterstützungsangebote haben in den letzten Jahren viel bewegt. Gleichzeitig wissen wir: Inklusion ist kein Ziel, das man einmal erreicht, sondern ein fortlaufender Prozess. Jede einzelne Erfolgsgeschichte – wie die vieler vilmA-Preisträgerinnen und -Preisträger – bestärkt uns, diesen Weg weiterzugehen.

Wo sehen Sie noch Handlungsbedarf, um echte Teilhabe zu ermöglichen?

Es gibt leider immer noch Barrieren, die wir abbauen müssen. Zum einen im öffentlichen Raum: Fehlende Rampen, unebene Wege oder zu enge Türen machen Menschen mit Rollstuhl oder Gehhilfen das Leben schwer. Zum anderen im digitalen Bereich: Wenn Webseiten, Onlineformulare oder Apps nicht barrierefrei gestaltet sind, bedeutet das für viele den Ausschluss von wichtigen Informationen und Dienstleistungen. 

Und nicht zu vernachlässigen sind die Barrieren in den Köpfen mancher Leute. Auch in der Arbeitswelt sollten wir noch stärker auf flexible Arbeitsbedingungen und technische Hilfsmittel setzen. Sei es durch Bildschirmlesegeräte, Gebärdensprachdolmetscher oder angepasste Arbeitszeiten. Inklusion im Arbeitsleben gelingt nur, wenn Unternehmen bereit sind, flexibel auf die Bedürfnisse von Mitarbeitenden einzugehen. 

Zum Schluss: In der Vergangenheit haben Sie die Preisträgerinnen und Preisträger immer in den Landtag eingeladen. Wird das auch dieses Mal der Fall sein – und welche Eindrücke haben Sie aus den bisherigen Begegnungen mitgenommen?

Der Empfang der vilmA-Preisträgerinnen und -Preisträger im Landtag ist für mich jedes Mal eine Herzensangelegenheit. Der Landtag ist das Wahrzeichen der Demokratie und das Haus aller Menschen in Nordrhein-Westfalen und die Begegnungen mit diesen beeindruckenden Persönlichkeiten zeigen, wie lebendig Mitgestaltung in unserer Gesellschaft sein kann. Es sind Menschen, die mit Mut, Herz und Können ihren Weg gehen. 

Ihre Geschichten zeigen, was möglich ist, wenn Barrieren fallen und Talente Raum bekommen. Diese Gespräche machen Mut und bestärken mich in der Überzeugung: Inklusion wird dort Realität, wo Menschen mit Behinderung selbstbewusst ihre Ideen einbringen und andere mitreißen. Inklusion ist ein Gewinn für uns alle. 

Das Interview führte Tobias Zaplata

Pokal VdK-Preis vilmA

Der vilmA-Preis

Mit dem VdK-Preis für Menschen mit Behinderung in Beschäftigung und Ausbildung zeichnet der VdK NRW herausragende Beispiele für die Teilhabe am Arbeitsleben aus.