„Nicht jede Behinderung ist auf den ersten Blick sichtbar“: Ursula Busch macht sich als Botschafterin bei einer internationalen Organisation stark
Interview mit Ursula Busch, stellvertretende Vorsitzende des VdK-Kreisverbands Mühlheim an der Ruhr und Botschafterin von „Hidden Disabilities Sunflower“. Die international tätige Organisation setzt sich für die Unterstützung von Menschen mit nicht sichtbaren Beeinträchtigungen ein.

Frau Busch, Sie engagieren sich auf unterschiedlichen Ebenen für Menschen mit Einschränkungen. Wie kam es dazu?
Ursula Busch: Ich bin bereits von Geburt an behindert. Allerdings wirkte sich das kaum auf meinen Alltag aus, bis ich mich vor einiger Zeit mehreren Operationen unterziehen musste, die nicht so glücklich ausgingen. Seitdem bin ich zeitweise im Rollstuhl unterwegs und unterliege weiteren Einschränkungen. Da ich schon immer ein politischer Mensch war, habe ich das als Herausforderung begriffen und angefangen, meinen Teil dazu beizutragen, dass sich Dinge verändern.
Was genau meinen Sie damit?
Ursula Busch: Ich habe mich in der Arbeitsgemeinschaft der Behinderten-Selbsthilfe und chronisch Kranker – kurz AGB - der Stadt Mülheim engagiert und dort vor einiger Zeit auch den Vorsitz übernommen. Die AGB ist quasi der Behindertenbeirat der Stadt. Größere Bekanntheit haben wir erlangt, als wir im Kommunalwahlkampf 2025 alle Kandidierenden für das Amt des Oberbürgermeisters beziehungsweise der Oberbürgermeisterin dazu eingeladen haben, ihre und unsere Stadt mit all ihren Barrieren im Elektrorollstuhl zu erfahren. Tatsächlich haben alle Kandidierenden teilgenommen.
Sie engagieren sich aber auch für nicht sichtbare Behinderungen?
Ursula Busch: Im Zusammenhang mit der Rollstuhlausfahrt bin ich zum ersten Mal auf die internationale Organisation Hidden Disabilities gestoßen und habe mich darin wiedergefunden. Gehe ich im Rollstuhl einkaufen, lässt mich jeder an der Kasse vor. Ich frage mich jedes Mal, warum das so ist, bin ich doch die einzige, die gemütlich sitzt. Stehe ich unter Schmerzen in der Kassenschlange, muss ich ausharren, weil niemand das Problem erkennt.
Das ist sicher richtig. Wie ging es weiter?
Ursula Busch: Ich stellte fest, dass die internationale Organisation Hidden Disabilities Sunflower in 37 Staaten, darunter weite Teile Europas, sowie Nord- und Südamerika aktiv ist, aber noch nicht in Deutschland. Zufällig war die Organisation gerade auf dem Sprung nach Deutschland und hat mit Michael Töller von Freizeitpark-Erlebnis einen erfahrenen und kompetenten Regionaldirektor gefunden. Mit Herrn Töller hatte ich bereits in anderen Bereichen zusammengearbeitet. Also habe ich nicht lange überlegt, als man mir anbot, mich als Botschafterin der Hidden Disabilities Sunflower einzubringen. Meine Aufgabe ist es, in der Öffentlichkeit zur Verbreitung der Idee beizutragen und Partner zu gewinnen.
Wie macht man als behinderter Mensch seinen Hilfe- und Unterstützungsbedarf sichtbar?
Ursula Busch: Hidden Disabilities arbeitet mit Schlüsselbändern, so genannten Lanyards, die man sich im Bedarfsfall umhängen kann. Hängt man sich das Band um, ist dies die Bitte um Unterstützung. Man muss niemanden ansprechen.
Das heißt dann aber auch, dass das Band bekannt sein muss?
Ursula Busch: Genau das ist im Moment noch der Haken - es mangelt am Bekanntheitsgrad. Wir sind in Deutschland auch erst seit diesem Jahr am Start. Auf einigen Flughäfen konnten wir bereits Personal schulen. Die nächste große Aufgabe ist es, das System in die Kommunen und Verbände zu bringen, um den Bekanntheitsgrad in der Bevölkerung zu erhöhen. In Basel zum Beispiel hängen in jeder Bahn und jedem Bus Plakate, die über die Bedeutung aufklären. Da müssen wir in Deutschland erst noch hinkommen.
Das Interview führte Markus Hochkirchen
Info
Der Name „Hidden Disabilities Sunflower“ bedeutet wörtlich „Versteckte Behinderungen Sonnenblume“. Die Sonnenblume soll Unterstützungsbedarf für Betroffene signalisieren und das weltweit – derzeit in 37 Staaten. Unsichtbare Behinderungen können Seh- oder Hörbeeinträchtigungen, Multiple Sklerose oder ADHS sein, mit denen verschiedene Bedarfe einhergehen.
Für weitere Informationen, zum Beispiel wo und wie die Schlüsselbänder erhältlich sind, wenden Sie sich bitte direkt an Ursula Busch: Externer Link:ursula.busch@vdk.de