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Mit dem E-Scooter in den Bus – eine tägliche Herausforderung

Von: Peter Ries

Sogenannte E-Scooter, auch Elektromobile genannt, können für mobilitätseingeschränkte Menschen eine Möglichkeit sein, um sich im Alltag leichter fortbewegen zu können. Bei der Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln sind dabei allerdings einige Voraussetzungen zu beachten. 

Zwei Piktogramme in weiß auf blauem Grund. Rechts ein E-Scooter, links eine Kombi aus E-Sooter oben und Bus-Piktogramm unten.
Busse des ÖPNV, die für die Beförderung von zugelassenen E-Scootern geeignet sind, sind mit Piktogramm gekennzeichnet. E-Scooter, welche die Voraussetzungen zur Mitnahme in Bussen des ÖPNV erfüllen, tragen Siegel, welches vom Hersteller bzw. Importeuer aufgebracht wird.

Es ist Dienstagmorgen, kurz nach neun. An der Haltestelle im Düsseldorfer Süden wartet VdK-Mitglied Helga M. auf den Bus. Vor ihr steht ihr Elektromobil - ihr wichtigstes Hilfsmittel für Einkäufe, Arztbesuche und Treffen mit Freunden. Als der Bus kommt, atmet sie tief durch. Jetzt beginnt der schwierigste Teil: rückwärts über die Rampe in den Bus fahren. 

"Manchmal klappt es gut, manchmal fühle ich mich wie in einem Hindernisparcours", sagt die 72-Jährige. 

"Wenn noch Kinderwagen oder ein Rollstuhl drinstehen, wird es richtig eng." 

Ob ein Elektromobil überhaupt mit in den Linienbus darf, entscheidet ein blauer Aufkleber. Die Plakette zeigt: Dieses Modell wurde geprüft und erfüllt die Sicherheitsanforderungen. Busfahrer wissen dann sofort, dass der Scooter zugelassen ist. "Das war ein wichtiger Schritt, um Klarheit zu schaffen", erklärt ein Sprecher des Bundesverbands Selbsthilfe Körperbehinderter (BSK). "Früher gab es viel Unsicherheit - für Fahrgäste genauso wie für das Fahrpersonal."

Strenge Regeln 

Die Liste der Voraussetzungen ist lang: Ein Elektromobil darf maximal 1,20 Meter lang sein, inklusive Fahrer nicht mehr als 300 Kilo wiegen, und es muss vier Räder haben. Auch die Bremsanlage ist streng geregelt - sie muss beide Räder einer Achse gleichzeitig stoppen können. Dazu kommt eine Feststellbremse und die Möglichkeit, rückwärts zu fahren. Rentner Hans K., 69, erinnert sich noch gut an eine unangenehme Erfahrung: "Mein alter Dreirad-Scooter war gar nicht zugelassen. Das habe ich erst gemerkt, als ich schon an der Haltestelle stand und der Fahrer mich nicht mitnehmen konnte. Seitdem habe ich mir ein zugelassenes Modell gekauft - aber einfacher ist es dadurch nicht unbedingt geworden." 

Nicht nur die Scooter selbst, auch die Busse brauchen bestimmte Voraussetzungen: ein ausreichend großer Stellplatz und Haltebügel, die Sicherheit bieten. Busfahrer dürfen einen Scooter nur dann mitnehmen, wenn im Fahrzeug auch tatsächlich Platz vorhanden ist. Ist die Stellfläche bereits durch Kinderwagen oder Rollstühle belegt, kann die Beförderung abgelehnt werden. Sind diese Voraussetzungen erfüllt, sind die Busse mit einem entsprechen Piktogramm gekennzeichnet.

Theorie und Praxis 

Die Regeln sind eindeutig - doch für viele bleibt der Alltag kompliziert. Vor allem das vorgeschriebene Rückwärts-Einfahren sorgt für Probleme. "Man muss sehr genau steuern", sagt Helga M. "Und mein Scooter ist nicht gerade wendig." Die Folge: Stress an der Haltestelle, Gedränge im Bus, und manchmal auch das Gefühl, nicht willkommen zu sein.

Experten empfehlen deshalb: Beim Kauf nicht nur auf die Zulassung, sondern auch auf die Handhabung achten. Kompakte, leicht steuerbare Modelle erleichtern den Alltag deutlich. Und wer sich den Ärger ganz ersparen möchte, greift manchmal auf Alternativen zurück. "Für längere Strecken nutze ich inzwischen öfter einen Fahrdienst", sagt Hans K. "Das ist entspannter - und ich komme sicher ans Ziel."