„Mein Appell: Mehr Frauen in die Politik!“
Interview mit der Vize-Vorsitzenden des VdK-Landesverbands Katharina Batz

Seit fast einem Vierteljahrhundert ist Katharina Batz VdK-Mitglied. 2021 übernahm die 57-Jährige den Vorsitz des größten nordrhein-westfälischen Kreisverbands Siegen-Olpe-Wittgenstein. Auf Landesebene bringt sie ihr wertvolles Wissen seit 18 Jahren als stellvertretende Vorsitzende ein – und auf Bundesebene fungiert sie neben ihrer Tätigkeit als Vize-Präsidentin als Vorsitzende der Bundesfrauenkonferenz. Im Interview mit unserer Redaktion verrät sie auch ihre ganz persönlichen Gedanken zum Weltfrauentag 2024 am 8. März.
Warum müssen wir im Jahr 2024 immer noch über Frauenrechte reden?
Katharina Batz: Am 8. März – am Internationalen Weltfrauentag – wird seit über 100 Jahren weltweit auf Frauenrechte, die Gleichstellung der Geschlechter und Diskriminierungen aufmerksam gemacht. Trotz vieler positiver Veränderungen gibt es immer wieder Rückschritte und weiterhin viel zu tun für die Gleichstellung von Frauen und Männern: im Alltag, in der Familie oder im Beruf. Ein Beispiel: Armut ist immer noch weiblich!
Das zentrale Motto zum diesjährigen Weltfrauentag lautet „Zur Inklusion anregen“. Welche Botschaft steckt aus Ihrer Sicht dahinter?
Katharina Batz: Inklusion ist ein sehr wichtiges Thema für unseren Sozialverband. Wir kennen es in erster Linie in Bezug auf Menschen mit Behinderung und ihre Teilhabe und Selbstbestimmung in allen Lebensbereichen. Denn hier muss noch viel getan werden. Dafür stehen wir. Das gilt ebenfalls für die Gleichberechtigung von Frauen. Das Motto bedeutet für mich, dass Frauen einbezogen und als gleichwertig angesehen werden, und dass die Gesellschaft dies besser versteht, begrüßt und vorantreibt.
Hat sich Corona und die Zeit danach auf die Geschlechtergerechtigkeit ausgewirkt?
Katharina Batz: Durchaus. Verschiedene Studien, unter anderem aus dem Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung zeigen, dass Frauen in Zeiten von Lockdowns, Kitaschließungen, weit verbreiteter Quarantäne und Homeschooling deutlich häufiger ihre Erwerbsarbeit reduziert haben als Männer. Corona war also ein Rückschritt für die Frauen, der sich wohl in den nächsten Jahren noch bemerkbar machen wird. Hier müssen wir gegensteuern.
Wie stark sind Frauen im VdK NRW vertreten?
Katharina Batz: Ob im Landesverbandsvorstand, in Fachgremien, in Kreis- oder Ortsverbänden, in Projekten oder politischen Gremien: Das weibliche Ehrenamt im Sozialverband VdK hat viele Namen und viele Gesichter. Die Frauen im VdK in Nordrhein-Westfalen sind sichtbar und werden immer sichtbarer. Und das ist auch gut so.
Sie sind auch als Vize-Präsidentin und Vorsitzende der Bundesfrauenkonferenz im VdK tätig. Welche Aufgaben verfolgen Sie dort?
Katharina Batz: Ein Ehrenamt erfordert Zeit und Kraft, Ausdauer und Verlässlichkeit. Das Schöne daran ist: Der Vielfältigkeit des Ehrenamts sind keine Grenzen gesetzt und wir entscheiden selbst wie wir es ausfüllen – das gilt für alle Ebenen im VdK. Und es ist wichtig, dies transparent zu machen. Eine der wichtigsten Aufgaben für mich ist der Einsatz für Chancengleichheit insgesamt in unserer Gesellschaft.
Was muss sich dringend in unserer Gesellschaft ändern?
Katharina Batz: Für Gewalt jeglicher Art gegen Frauen und Mädchen sowie gegen Menschen mit Behinderung darf es in unserer Gesellschaft einfach keinen Platz geben. Unsere gemeinsamen Werte dürfen nicht in Frage gestellt werden, zu denen die Gleichstellung von Mann und Frau ebenso gehört wie der Respekt vor der körperlichen und geistigen Unversehrtheit. Es liegt also auch an uns, die Gesellschaft voranzubringen, solidarische Prinzipien aufrecht zu erhalten und die richtige Balance zwischen Sicherheit und Freiheit sowie Armut und Reichtum zu finden.
Was liegt Ihnen noch am Herzen für 2024?
Katharina Batz: Mein Appell: Mehr Frauen in die Politik! Das gilt vor allem vor dem Hintergrund der anstehenden Europa-, Landtags-, und Kommunalwahlen - denn 2024 ist ein Superwahljahr. Aber Frauen sind in Landtagen und kommunalen Vertretungen stark unterrepräsentiert. So werden zum Beispiel Landkreise und Rathäuser zu mehr als 90 Prozent von Männern geführt. Frauen müssen sich endlich angemessen an politischen Entscheidungsprozessen beteiligen. Dafür müssen wir die politische Kultur und die Rahmenbedingungen politischer Arbeit frauenfreundlich gestalten.