„Irgendwann ist immer Zahltag“: Brisantes Thema Überschuldung
Spannende Podiumsdiskussion in Wuppertal - Schulden begünstigen Kinder- und Altersarmut. Der Ortsverband Wuppertal-Cronenberg (Kreisverband Bergisch Land) hat seine Veranstaltungsreihe mit Podiumsdiskussionen zu brisanten und aktuellen Themen fortgesetzt.

Dieses Mal ging es im Veranstaltungssaal an der Bundesallee in Wuppertal um das Thema „Wege aus der Schuldenfalle“. Hierzu hatte Initiator Berthold Gottschalk, Ehrenvorsitzender des VdK-Kreisverbands Bergisch Land, hochkarätige Teilnehmerinnen und Teilnehmer gewinnen können: Anke Lichte, Leiterin der Schuldner- und Insolvenzberatung der Diakonie Wuppertal, Michelle Schüler-Holdstein, Leiterin der der Verbraucherzentrale NRW, Dilek Engin, SPDkurz fürSozialdemokratische Partei Deutschlands-Landtagsabgeordnete sowie ehemalige Lehrerin und Oberstudienrätin und Martin Platte, Bereichsleiter der Stadtsparkasse Wuppertal.
In langer Vorarbeit hatte der Journalist Matthias Müller spannende Fragen zum Thema zusammengestellt und übernahm auch die Moderation des Abends. Den Auftakt bildete das Einzelgespräch mit Steven Gerlach. Der Vater einer siebenjährigen Tochter war durch Schulden in eine für ihn zunächst aussichtslose Lage geraten. Durch Geduld, Disziplin und der Hilfe durch eine Schuldnerberatung konnte er seine Finanzprobleme letztlich in den Griff bekommen. Mit dem empathischen Moderator sprach der Betroffene offen über die Entstehungsgeschichte. Dabei wurde deutlich, wie schnell man in die „Schuldenfalle“ geraten kann.
Erschreckende Zahlen
Auf diese Weise eingestimmt, wurde das brisante Thema von allen Seiten beleuchtet. So sind erschreckend viele Menschen jeder Altersgruppe in Deutschland überschuldet -im vergangenen Jahr waren 5,7 Millionen Personen in der Bundesrepublik betroffen. Das entspricht einem Anteil von über 8 Prozent an der Gesamtbevölkerung ab 18 Jahren. Rund 595 000 Menschen in Deutschland suchen jährlich aufgrund von privater Überschuldung eine Schuldner- oder Insolvenzberatungsstelle auf.
Das sind alarmierende Zahlen. Auch die Schuldenprobleme speziell von jüngeren Menschen wurden im Rahmen der Veranstaltung angesprochen. Ein wichtiger Aspekt dabei: Die Verführung durch die Möglichkeiten des Online-Shoppings sowie den mit Produkten geradezu „überschwemmten“ Markt und die häufig angebotenen, dubiosen Zahlungsmöglichkeiten, die in den Ruin führen können. Darüber hinaus wurde auch das Thema „Altersarmut und Schulden“ breit diskutiert. Hierdurch wurde den Zuhörenden noch einmal deutlich vor Augen geführt: Der vielfach herbeigesehnte Lebensabend ist oftmals gar nicht so „golden“.
SPDkurz fürSozialdemokratische Partei Deutschlands-Politikerin Dilek Engin musste zugeben, dass der Staat nicht genug unternimmt, um Schulden bei jungen, wie auch bei älteren Menschen zu verhindern. Auch Altersarmut sei für sie ein Thema, politisch einzugreifen. Mehrere Anträge der Politikerin hierzu liegen bereits vor. Manches an Verbesserungen sei von der Union abgelehnt worden. „Ich werde meine Anträge erneut stellen“, so Engin.
Eindringlicher Appell
Am Ende appellierte Moderator Matthias Müller eindringlich an die Zuhörenden: „Wehren sie sich gegen Abzocke, die durch Fallen in den Ruin führen können und suchen Sie Hilfe bei Beratungsstellen. An die jungen Leute kann ich nur den Appell richten: Man muss auch verzichten können.
Mit Überschuldung macht auch Besitz keinen Spaß. Irgendwann ist immer Zahltag!“ Das war zugleich auch die Bilanz des Abends. Um qualifizierte Hilfe zu bekommen, können sich Betroffene zum Beispiel an die „Schuldenhelpline“ wenden - ein bundesweites kostenloses Telefon- und Onlineberatungsangebot der Schuldnerhilfe Köln gGmbH. Telefon: 0800 – 503 58 51 (kostenfreie Hotline). Weitere Informationen: Externer Link:https://www.schuldenhelpline.de