„Frühjahr der Reformen“: Jahresempfang mit klarer Botschaft – Hochrangige Gäste
„Wir leben in turbulenten Zeiten“ – mit diesen treffenden Worten eröffnete VdK-Vorstandssprecher Thomas Zander den Jahresempfang am 26. März 2026 im Apollo Varieté in Düsseldorf. Die Veranstaltung mit Gästen aus der Kommunal- und Landespolitik, der Sozialgerichtsbarkeit, den VdK-Verbandsstufen sowie vielen anderen sozialen Organisationen und Verbänden stand unter dem Motto „Frühjahr der Reformen“.

Thomas Zander betonte in seiner Begrüßung, dass die bevorstehenden Gesetzgebungsvorhaben der Bundesregierung den VdK und seine mehr als 425.000 Mitglieder direkt betreffen. Er forderte eine stärkere Beteiligung des Verbands und einen „kritischen, aber unverkrampften Austausch“ über die Zukunft der sozialen Sicherungssysteme mit allen Akteuren:
„Ob Gesundheit, Pflege oder Rente - unsere heutige Themenwahl und der Zeitpunkt passen sehr gut in die aktuelle Debatte.“
Laumann lobt VdK
In seiner gewohnt beherzten Art lobte NRW-Sozialminister Karl-Josef Laumann zunächst die Arbeit des Sozialverbands: „Der VdK verhilft mit seinen professionellen Strukturen vielen Menschen zu ihrem Recht und engagiert sich gesellschaftspolitisch hervorragend. Auch die Ortsverbände leisten mit ihren Veranstaltungen einen Beitrag zur Bekämpfung der Einsamkeit.“ Er schätze den VdK als wichtigen Impulsgeber und Ratgeber für die Sozialpolitik, auch wenn man nicht immer einer Meinung sei.
Im Hinblick auf die notwendigen Reformen appellierte der Minister: „Bei allen Überlegungen müssen wir darauf achten, unser Land wieder zusammenzuhalten.“ Innere, äußere und soziale Sicherheit dürften dabei nicht gegeneinander ausgespielt werden. Er versprach alles dafür zu tun, dass Probleme nicht von den Menschen gelöst werden müssen, die unterhalb der Beitragsbemessungsgrenze verdienen.
Sorge um Pflegezukunft
Katharina Batz, Vize-Präsidentin des VdK NRW und VdK Deutschland, vermittelte in ihrem sozialpolitischen Ausblick ein Stimmungsbild aus dem Verband:
„Allein die öffentlichen Diskussionen über längere Regelarbeitszeiten, die lang debattierte Absenkung des Rentenniveaus oder die Streichung des Pflegegrades 1 haben bei unseren Mitgliedern das Vertrauen in den Sozialstaat erschüttert.“
Wer gerade bei der Pflege an der falschen Stelle spare, treibe immer mehr Pflegebedürftige in stationäre Einrichtungen – und damit in die Sozialhilfe. Sie forderte Reformen, die über Jahrzehnte hinweg greifen.
Impulsvortrag
Gleich im Anschluss garantierte Prof. Dr. Ute Klammer einen spannenden Ritt durch die Rentenpolitik – und durch das komplizierte System der Altersversorgung. Die geschäftsführende Direktorin am Institut für Arbeit und Qualifikation an der Uni Duisburg-Essen und Direktorin des Deutschen Instituts für Interdisziplinäre Sozialpolitikforschung verriet zu Beginn, dass sie erst einen Tag zuvor als Expertin vor der von der Bundesregierung eingesetzten Rentenkommission einen Vortrag zum Thema Altersarmut gehalten habe.
Nach ihrer Überzeugung brauchen die Menschen in Deutschland wieder eine verlässliche Perspektive für das Leben im Alter. „Angesichts der anstehenden Reform ist es Aufgabe der Politik, klug, solidarisch und entschlossen zu handeln, um die Rente zukunftsfest zu machen. Dazu müssen neue Allianzen entstehen – zwischen Jung und Alt, zwischen Staat und Markt sowie zwischen Verantwortung und Freiheit. Dann kann die Rente bleiben, was sie lange war: ein Versprechen für Würde, Sicherheit und Solidarität“, betonte Prof. Dr. Ute Klammer.
VdK-Vorstand Carsten Ohm bedankte sich in seinem Schlusswort bei allen Beteiligten und kündigte an, die kommenden Reformvorschläge sorgfältig zu prüfen und bei Bedarf zeitnah öffentlich Stellung zu beziehen.
„Wir als starker Verband müssen uns immer dann wehren, wenn politische Empfehlungen nicht im Sinne unserer Mitglieder sozial verträglich sind.“
Für die passende musikalische Begleitung sorgte das Cologne Gipsy Trio, das mit seinen Klängen eine stimmungsvolle Atmosphäre schuf.