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Einmal im Leben durch Wuppertal schweben: Ein ganz besonderes Verkehrsmittel wird 125 Jahre alt

Von: Sebastian Heise

Die Wuppertaler Schwebebahn ist ein in Deutschland einmaliges Verkehrsmittel. Vor 125 Jahren ging der erste Abschnitt in Betrieb. VdK-Ehrenamtliche sind stolz auf sie und erinnern sich auch an einen in die Wupper gestürzten Elefanten. 

Ein Wagen der Wuppertaler Schwebebahn fährt über der Wupper entlang des Gleisgerüsts..
Die aktuelle Generation 15 der Wuppertaler Schwebebahn. © imago/Jochen Tack

Ausgerechnet als der sechsjährige Berthold Gottschalk mit seiner Großmutter aus dem Wuppertaler Zoo kam und mit der Schwebebahn nach Hause fahren wollte, geschah etwas, das bundesweit für Schlagzeilen sorgte. Am 21. Juli 1950 wurden alle Bahnen gestoppt, weil der kleine Elefant Tuffi aus einem Waggon in die Wupper gesprungen war. 

„Wenngleich mich meine Großmutter nach dieser Mitteilung sehr ungläubig, aber mit einem Lächeln ansah, mussten wir den Fußweg antreten, denn auch die Straßenbahn war außer Betrieb“, erzählt Berthold Gottschalk, Ehrenvorsitzender des VdK-Kreisverbands Bergisch Land. „Meine Großmutter versüßte mir den Fußweg mit einem leckeren Himbeereis“, berichtet der Wuppertaler. Später erfuhren die beiden im Radio, dass der Elefant Tuffi vom Zirkus Althoff zu Werbezwecken in die Schwebebahn verfrachtet wurde und durch Blitzlichter der Fotografen in Panik geriet, ein Fenster der Schwebebahn durchbrach und zwölf Meter tief in die Wupper sprang. Den Sturz überstand Tuffi zum Glück unverletzt. 

Das war bis dahin der einzige Unfall der Wuppe r t a le r Schwebebahn, und dieser lag gewiss nicht am Verkehrsmittel, das aufgrund seiner Konstruktion eines der sichersten der Welt ist, sondern allein an dem Medienrummel. 

Bereits in den 1880er-Jahren hatten die Stadtverordneten von Barmen und Elberfeld erkannt, dass ein zusätzliches Verkehrsmittel in der Talsohle nötig wäre. Der Kölner Ingenieur Eugen Langen arbeitete damals an einer Schwebebahn. 

„System Langen“ 

1887 wurde eine Kommission gewählt, um ein solches Projekt zu prüfen. Ende 1894 stimmten die Stadtverordneten von Barmen und Elberfeld für das Schwebebahnprojekt „System Langen“. Zwei Jahre später genehmigte die Königliche Regierung zu Düsseldorf dieses und gab damit den Startschuss. 

Ab Sommer 1898 wurden an der Wupper Stahlgerüste errichtet, die die Schienen und Bahnhöfe tragen sollten. 1898 und 1899 fanden die ersten Probefahrten statt. Vor der offiziellen Eröffnung, am 24. Oktober 1900, bestieg Kaiser Wilhelm II. mit seiner Gemahlin Auguste Viktoria und Gefolge eine Bahn und legte damit die Strecke vom Döppersberg in Elberfeld bis Vohwinkel zurück. Der Kaiserwagen, der bis heute noch für spezielle Fahrten gemietet werden kann, kam so zu seinem Namen. 

Am 1. März 1901 wurde das erste 4,6 Kilometer lange Stück von Kluse zum Zoologischen Garten für den Verkehr freigegeben. Der Andrang war so groß, dass die Taktung gleich von zehn auf fünf Minuten verkürzt wurde. 

In den folgenden Jahrzehnten wurden die Strecke verlängert und immer wieder neue Stationen gebaut. Heute fährt die Bahn auf einer 13,3 Kilometer langen Strecke durch die Stadt, größtenteils über der Wupper, nur vier der 20 Haltestellen befinden sich über Land. Mehr als 80 000 Menschen nutzen werktäglich die Bahn. 

Am 12. April 1999 ereignete sich ein tragisches Unglück: Nach Beendigung von Gerüstarbeiten war von der Baufirma ein Metallstück an der Fahrschiene nicht entfernt worden. Der erste Zug wurde dadurch ausgehebelt und stürzte in die Wupper. Fünf Fahrgäste starben, 47 Menschen wurden verletzt. Drei Monate lang fuhr danach keine Bahn. 

Seitdem läuft zum Glück alles wie gewohnt. „Für mich war und ist die Schwebebahn immer noch das verlässlichste Verkehrsmittel“, sagt Rosemarie Michalski, stellvertretende Vorsitzende des VdK-Kreisverbands Bergisch Land. „Ich habe nur gute Erinnerungen. Mit ihr kommt man am schnellsten von Oberbarmen bis Vohwinkel und zurück. Es gibt keine Ampeln und keine Kreuzungen.“ 

„Eine Fahrt mit der Schwebebahn ist immer ein Erlebnis“, ergänzt Berthold Gottschalk, und so heißt es in der Stadt nicht ohne Grund: „Einmal im Leben durch Wuppertal schweben.“