Duisburger Ratsmitglieder erleben Barrieren hautnah: Aktion des VdK-Arbeitskreises für kommunale Sozialpolitik
Fehlende Aufzüge, zu schmale Gehwege, kaum abgesenkte Bordsteine oder wahllos abgestellte E-Roller – in Duisburg gibt es unzählige Hindernisse und Barrieren für mobilitätseingeschränkte Menschen. Darauf machten Ende Februar der Sozialverband VdK NRW, der Blinden- und Sehbehindertenverband Duisburg, der Verkehrsclub Deutschland (VCD) sowie die Bürgerinitiative Duisburg in WALLung vor der Ratssitzung an der Mercatorhalle aufmerksam.

Mit initiiert wurde die Aktion vom Arbeitskreis des VdK für kommunale Sozialpolitik, bei dem sich engagierte Ehrenamtliche aus den elf Duisburger Ortsverbänden um die Interessen von Menschen mit Behinderungen, älteren und armutsbetroffenen Menschen kümmern. „Unser Team vor Ort hat eindrucksvoll gezeigt, wie wichtig es ist, Barrieren im Alltag sichtbar zu machen und gemeinsam für mehr Teilhabe zu kämpfen. Solche Initiativen sollten im gesamten VdK Schule machen und viele Nachahmer finden“, sagte Präsident Horst Vöge.
Vernetzung
Benedikt Lechtenberg, hauptamtlicher Referent für Kommunalpolitik beim VdK-Landesverband, war live dabei und lobte den Arbeitskreis:
„Die Ehrenamtlichen füllen die kommunale Sozialpolitik mit Leben. Gerade in einer Großstadt wie Duisburg ist die Vernetzung unter den zahlreichen Ortsverbänden und mit anderen Verbänden sowie Organisationen wichtig, um sich mit einer Stimme an Politik und Öffentlichkeit zu wenden.“
Parcours
Im Mittelpunkt der Aktion stand ein eigens aufgebauter Parcours. Mit Rollstuhl, Rollator, Blindenstock oder einer speziellen Simulationsbrille erlebten zahlreiche Ratsmitglieder in Selbstversuchen, wie schwer und gefährlich es im Alltag sein kann, alltägliche Barrieren zu überwinden. „Wir wollten die Politiker für dieses Thema sensibilisieren“, erklärte Udo Beran, Koordinator des Arbeitskreises.
Mängelliste
Bereits im Vorfeld hatte Gisela Schiffers, stellvertretende Vorsitzende des Kreisverbands am Niederrhein, rund 120 nicht barrierefreie Standorte in der Stadt dokumentiert und dem Büro des Oberbürgermeisters Sören Link, dem zuständigen Sachbearbeiter und der Bezirksvertretung übergeben. „Bis heute haben wir keine Antwort erhalten. Es ist sehr schade, wenn sich Bürgerinnen und Bürgern mit ihren Sorgen an die Stadt wenden und nicht mal eine kurze Rückmeldung bekommen.“
Zumindest bei der Aktion vor Ort in der Mercatorhalle zeigte die Politik reges Interesse für Barrierefreiheit. Beispielsweise betonte die CDUkurz fürChristlich Demokratische Union-Fraktion, die Modernisierung des öffentlichen Nahverkehrs, die Anpassung der Infrastruktur und die Förderung der Inklusion ins Zentrum ihrer Arbeit zu stellen.
OB gesprächsbereit
Oberbürgermeister Sören Link kündigte ein gesondertes Treffen mit dem VdK und den beteiligten Organisationen an, um über konkrete Verbesserungen zu beraten. Er werde gerne Rede und Antwort stehen. Waldemar Naumov vom Blinden- und Sehbehinderten Verein Duisburg begrüßte zwar das Angebot, fordert aber Tempo in der Sache:
„Wenn ich als sehbehinderter Mensch öffentlich unterwegs bin, muss ich mehr Zeit einplanen, um von A nach B zu kommen. Häufig funktionieren die Ansagen nicht, dann muss ich Umwege in Kauf nehmen. Es muss jetzt endlich etwas passieren!“





