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Pflegekosten treiben immer mehr Menschen in die Sozialhilfe

Mit großer Sorge betrachtet der VdK NRW die von IT.NRW neu vorgelegte Pflegemodellrechnung, wonach bis zum Jahr 2050 knapp 1,7 Millionen Menschen und damit etwa jede zehnte Person in Nordrhein-Westfalen pflegebedürftig sein werden. Besonders alarmierend ist aus Sicht des Sozialverbands jedoch, dass bereits heute viele Pflegebedürftige auf Sozialhilfe angewiesen sind.

Ein alter Mann mit Rollstuhl sitzt einsam in einer Zimmerecke
© IMAGO/Ute Grabowsky, photothek.net

Laut IT.NRW erhielten im Jahr 2024 in unserem Bundesland mehr als 104.000 Menschen „Hilfe zur Pflege“ (Sozialhilfe). Dies bedeutet eine zusätzliche Belastung für die Kommunen – und einen Anstieg von 4,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. . Besonders dramatisch ist die Situation in stationären Einrichtungen: Mehr als 41 Prozent der Heimbewohnerinnen und Heimbewohner sind auf diese Unterstützung angewiesen. „Dass inzwischen so viele Pflegebedürftige Sozialhilfe benötigen, ist ein sozialpolitischer Offenbarungseid“, erklärt VdK-Präsident Horst Vöge. Vor allem in ländlichen Regionen liegen die monatlichen Eigenanteile in Pflegeheimen inzwischen bei 6.000 bis 6.500 Euro. Für viele Betroffene sind diese Kosten aus eigener Kraft nicht mehr zu stemmen. Perspektivisch wird die Zahl der Pflegebedürftigen in stationärer Pflege laut IT.NRW um gut ein Drittel zunehmen und 2050 bei 226.300 Personen liegen.

Mit Blick auf die vom Bund eingesetzte Pflegekommission mahnt der VdK NRW Tempo an. „Die Kommission darf nicht zu einem weiteren politischen Verzögerungsinstrument werden. Dass erst Ende August Ergebnisse vorgelegt werden sollen, kann angesichts der Entwicklung nicht richtig sein – Pflege wartet nicht.“

Zugleich warnt der Verband vor Leistungseinschränkungen. Ein möglicher Wegfall des Pflegegrades 1 würde aus Sicht des VdK NRW eine Verschlechterung für viele Betroffene bedeuten. Der Verband fordert daher rasche Maßnahmen zur Stabilisierung der Pflegeversicherung und zur Begrenzung der Eigenanteile, die aus VdK-Sicht nur mit einer grundlegenden Reform der Pflegeversicherung erfolgen kann. Die ebenfalls vorgestellten Daten zur Ausbildungssituation in der Pflege 2025 bestätigen die Dringlichkeit: Zwar ist die Zahl der Auszubildenden in der Pflege leicht gestiegen, reicht aber bei weitem nicht aus, um den wachsenden Fachkräftebedarf zu decken.