Kategorie Ortsverband Korschenbroich-Kleinenbroich

75 Jahre VdK Ortsverband Korschenbroich / Kleinenbroich

75 Jahre VdK Ortsverband Korschenbroich / Kleinenbroich
Am 25. August 2021 hätte der VdK Ortsverband Korschenbroich / Kleinenbroich sein 75 jähriges Bestehen feiern können. Wegen Corona fiel eine Feier jedoch aus. Für diesen Anlass hatte der Archivar des Ortsverbandes Joachim Walter einen Artikel verfasst.

Liebe Kameradinnen und Kameraden
Sehr verehrte Gäste,
Mehr als 75 Jahre sind seit der Gründung unseres heutigen Sozialverbandes V dK Ortsverband Korschenbroich/Kleinenbroich vergangen. Ein langer Zeitraum, auf den man einmal zurückblicken sollte.
Ich möchte damit beginnen was der langjährige Vorsitzende und Zeitzeuge -
Peter Baues - zum 50 jährigen Jubiläum des VdK Ortsverbandes Korschenbroich sagte:
„Niemand, der über die sicherlich großen Probleme der Gegenwart klagt, sollte sich wünschen, dass die Not jener Tage nach 1945 wiederkehrt. Es waren Jahre, in denen man nichts oder wenig hatte, nicht einmal mehr Hoffnung."
Im November 1945 Wijrden in Berlin die Versorgungsgesetze aufgehoben, dadurch entstand eine große Not bei den Kriegsversehrten und Hinterbliebenen. Überall in Deutschland bildeten sich in den Jahren 1945/46 Verbände zur Unterstützung, den in bitterer Not lebenden Menschen, besonders mit Körperbehinderung, zu helfen und sie zu beraten.
In Korschenbroich hat man sich dem
- Bund der Körperbehinderten - der Nord-Rheinprovinz -
angeschlossen.
Die Gründungsversammlung vom
- Ortsbund Korschenbroich -
fand am 24.08.1946 im Lokal Ww. Winnen statt.
Folgende Ziele wurden festgelegt

1. Gründung des Ortsbundes von großer Wichtigkeit.
2. Richtlinien und Arbeit des Verbandes.
3. Aufklärung über Versorgungsangelegenheiten.
4. Der Bund der Körperbehinderten ist politisch rassistisch und religiös neutral.
5. Bildung des provisorischen Vorstandes.

Am 06.09.1946 fand im Lokal der Ww. Winnen eine Großkundgebung statt und der provisorische Vorstand wurde von den Mitgliedern bestätigt.
Innerhalb sehr kurzer Zeit hatte der Ortsbund 430 Mitglieder.
Die Beeinträchtigungen der Mitglieder bestanden in
• Amputation des Armes
• Amputation des Oberschenkel
• Amputation beider Beine, z.B. bei unserem noch lebenden Mitglied Josef Lowitsch, der auch Gründungsmitglied war.
• Armverkürzung
• Durchschuss der Schulter
• Hirnverletzung usw.

und wir dürfen nicht die vielen Krieger-Witwen vergessen.
Der Vorstand versuchte zu helfen, wo er konnte, er hat sich um Wohnraum für
die Bedürftigen bemüht,
hat versucht die knappen monatlichen Zuteilungen, z. B. ein Fahrrad,
gerecht zuzuteilen (bei der Zuteilung der Fahrräder gab es immer wieder Probleme, da auch Nicht-Behinderte einen Anspruch anmeldeten).
Er gab Unterstützung bei Anträgen und half bei Auseinandersetzungen
mit der Amtsverwaltung.
Am 07.12.1946 feierte der Ortsbund seine 1. Weihnachtsfeier.
Bei dieser Feier kamen 3.500,00 RM zur Auszahlung.
Jedes Mitglied einschließlich der Kinder erhielt 10,00 RM.
Für die Kinder kam das Schönste, der Weihnachtsmann.
Er überreichte jedem Kind einen Weckmann und ein kleines Weißbrot
mit einem Gewicht von 4 Pfund.
Am 27. 01. 1947 gab es von einigen Vorstandsmitgliedern
eine geheime Zusammenkunft, um über vermutete Unterschlagung
und Urkundenfälschung zu beraten.
In der Vorstandssitzung vom 28.01.1947 gab das beschuldigte Vorstandsmitglied
die Verfehlung zu. Er wurde aus dem Ortsbund ausgeschlossen, musste alle Beträge - über 800,00 RM - zurückzahlen und sein Dienstfahrrad abgeben.
Der Ortsbund musste oft mit Verwaltungen hart ringen. Kriegsversehrte, denen ein Arm oder Bein fehlte und die nur eine Rente von 20,00 RM bekamen, wurde diese wegen Gewöhnung gestrichen.
Bei einer Mitgliederversammlung am 24.04.1948 wurde von einer eventuellen Verbesserung des Rentengesetzes gesprochen.
Am 20.06 1948 wurde in den westlichen Besatzungszonen Deutschlands die Deutsche Mark als alleiniges Zahlungsmittel eingeführt.
Auf einmal waren die Geschäfte voll, nur nicht jeder konnte sich die Waren leisten.
Am 01.02.1949 haben 39 Mitglieder unseren Ortsbund verlassen, da sich in Rubbelrath ein eigener Ortsbund gegründet hatte.
Am 23 Mai 1949 wurde das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland verkündet und dieser Tag wird allgemein als Gründungstag der Bundesrepublik angesehen.
Im Jahr 1950 erfolgte die Umbenennung von
Bund der Körperbehinderten
m
Verband der Kriegsbeschädigten, Kriegshinterbliebenen und
Sozialrentner Deutschlands e. V.
( V.d.K.)
Im gleichen Jahr wurden übrigens die Lebensmittelkarten abgeschafft.

Im Sommer 1951 organisierte unserer örtlicher Verband einen Ausflug mit dem „ Klingenden Rheinländer" und bemühte sich schon früh auch um soziale Kontakte unter den Mitgliedern.

Folgender Beschluss wurde 1952 gefasst.
Jedes Vorstandsmitglied dürfte in einer Vorstandssitzung 2 Glas Bier auf Kosten des Ortsverband verzehren, später wurde die Zahl sogar auf 4 Glas Bier erhöht. Mitte der fünfziger Jahre, veränderte sich durch die einsetzende Hochkonjunktur
in der Bundesrepublik und das Gesetz über die Beschäftigung Schwerbeschädigter die Lage der Kriegsversehrten positiv.
Ab Oktober 1955 begann die VdK Rechtsabteilung den geschäftsführenden Vorstand in Klage- und Widerspruchsverfahren zu schulen.

Ende der fünfziger Jahre wurde vom VdK Landesverband NRW
auch Erholungs- und Kurverschickung angeboten.
Bei mehr als 400 Mitgliedern besuchten nur 30 Mitglieder am 13.02.1960
die Jahreshauptversammlung. Der wirtschaftliche Aufschwung machte sich schon bemerkbar, so dass das Interesse an der V dK Arbeit nachließ.
In einer Vorstandsitzung, im Juni 1960, wurde beschlossen mit den Beschädigten und Hinterbliebenen des 1. Weltkrieges einen Ausflug
an den Hariksee zu unternehmen.
Aus den Jahresberichten war die viele Kleinarbeit des Vorstandes zu erkennen. Beratungsstunden wurden 14 tägig durchgeführt. Es wurden von vielen Erfolgen berichtet,
• Kur- und Heilmittelbewilligung
• Gewährung von Beihilfen
• Zusagen von Hilfsmittel
• Größere Nachzahlungen
• Vergünstigungen bei den Theaterbesuchen in Mönchengladbach und Rheydt.

Bei den Jahreshauptversammlungen waren fast immer der Bürgermeister Matthias Hoeren und seit 1963 auch der damalige Kreistagsabgeordnete
Dr. Hans-Ulrich Klose anwesend.
Für die Jahre 1975 bis 1981 fehlen uns leider die Archivunterlagen, diese Zeit gilt es noch aufzuklären. Falls noch einer der Anwesenden hierzu etwas beitragen kann, so würde uns das sehr freuen.
Im Jahr 1986, zum 40 jährigem Bestehen, hatte der VdK Korschenbroich
nur noch 156 Mitglieder.
Im Jahr 1990 wurde aus dem Verband der Kriegsbeschädigten, Kriegshinterbliebenen und Sozialrentner Deutschlands e. V. der Sozialverband V dK Deutschland. Wenn auch die Zahl der Kriegsopfer, biologisch bedingt, abnimmt, so wächst jetzt doch die Zahl der übrigen Behinderten, der Senioren und der Sozialrentner.

Am 11.12.1993 erhielt der erste Vorsitzende Peter Baues aus den Händen von Bürgermeister Heinrich Mühlen die Goldene Ehrennadel des V dK Deutschland.

Das am 12.04.1994 erstmals durchgeführte Frühlingsfest im Anschluss an die Jahreshauptversammlung hat bei allen Teilnehmern guten Anklang gefunden.
Zum Festakt des S0jährigem Bestehen - 1996 - kamen viele Gäste aus Rat, Verwaltung, Pfarre, örtlichen Parteien, Vereinen und die Presse.
Im Jahr 1998 gehörten nur noch 45 von insgesamt 137 Mitglieder
zur Gruppe der Kriegsopfer.
Der Bundespräsident hat Herrn Peter Baues in Anerkennung der um Volk und Staat erworbenen besonderen Verdienste im Jahre 1999 das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen.

Die Ordensinsignien wurden Peter Baues in einer Feierstunde am
04. Februar 1999 in der Gaststätte Oedinger, durch den stellvertretenden Landrat Hermann-Josef Dusend, ausgehändigt.
Bereits im November 2001 regte Herr Otto Jung -V dI< Kleinenbroich- eine Fusion der beiden Ortsverbände an. Diese wurde jedoch von Korschenbroich mit der Begründung abgelehnt, sie ist zu aufwendig, zeitlich, räumlich und finanziell. Erst 10 Jahre später, am 01.06.2011 haben die beiden ehemaligen Ortsverbände Korschenbroich und Kleinenbroich als V dK Ortsverband Korschenbroich/Kleinenbroich
fusioniert und 43 Mitglieder wechselten mit in den neuen Ortsverband.
Am 10.01.2002 ist die Vorsitzende Vera Stock, nach Unstimmigkeiten im Vorstand, zurückgetreten und ist gemeinsam mit einigen Mitglieder in den Kreisverband Mönchengladbach gewechselt.

Peter Baues hat für ca. 7 Monate noch einmal den Vorsitz übernommen.

Am 01.08.2002 wurde Dr. Josef Merten zum kommissarischen Vorsitzenden gewählt und am 29.04.2003 durch die Mitglieder der Jahreshauptversammlung bestätigt.
Der Bundespräsident hat Frau Gertrud Leyers in Anerkennung der um Volk und Staat erworbenen besonderen Verdienste im Jahre 2004 die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen.

Die Ordensinsignien wurden Frau Gertrud Leyers in einer Feierstunde am Dienstag, 12. Oktober 2004 in der Gaststätte Oedinger, durch den
Landrat Dieter Patt, ausgehändigt.
Am 17.04.2008 wurde Frau Gertrud Leyers, auf der Jahreshauptversammlung des Ortsverbandes Korschenbroich, zum Ehrenmitglied für ihren vorbildlichen und bewundernswerten Einsatz ernannt und erhielt eine von Elmar Konnertz kalligraphisch gestaltete Urkunde.
V dK Ortsverband Korschenbroich/Kleinenbroich
Vorsitzende vom Ortsbund bzw. Ortsverband Korschenbroich

1. Heinrich Staudt 24.08.1946 - 28.01.1947
2. Josef Schmitz 28,01.1947 - 12.01.1950
3. Erber 12.01.1950 - 13.01.1951
4. Peter Zimmermann 13.01.1951 - 1957 verstorben
5. Jakob Winter 08.03.1958 - 1971 ?
6. Jakob Stumpen 18.05.1971 - 1986 ?
7. Gottfried Schröder 1986 ? - 20.08.1990
8. Peter Baues 20.08.1990 - 13.04.2000
9. Vera Stock 13.04.2000 - 10.01.2002
10. Peter Baues 10.01.2002 - 01.08.2002
11. Dr. Josef Merten 01.08.2002

V dK Kleinenbroich
Von Kleinenbroich liegen bis jetzt leider keine Unterlagen vor, weder im Archiv der Stadtverwaltung, noch beim Heimatverein Kleinenbroich.
Er muss ca. 1950 gegründet worden sein, da er im Jahr 2000
sein 50 jähriges Jubiläum feierte.

Der VdK Korschenbroich hatte Anfang 2002 nur noch 137 Mitglieder. Durch gute Vorstandsarbeit des VdK Korschenbroich/Kleinenbroich sind diese auf über 550 Mitglieder bis Ende 2020 gestiegen.

Korschenbroich, den 31.08.2021 Joachim Walter