Kategorie Ortsverband Benrath-Garath

Hitzefalle Wohnung

Hitze-Falle
Hitzefalle Altbau © ki/p.ries

Wenn das Zuhause zur Gesundheitsgefahr wird

Von Peter Ries 

Die Wetterprognosen von bis zu 41 Grad sind ein Alarmsignal, das viele Menschen in ihren eigenen vier Wänden einsperrt. Doch für Bewohner von ungedämmten Nachkriegsbauten ist der Rat, die Wohnung zu kühlen, oft nichts als bitterer Spott. Besonders hart trifft es Menschen in Gebäuden aus den späten 1960er Jahren, die sich bei extremen Sommerhitze-Wellen in lebensgefährliche Backöfen verwandeln. Unter den Betroffenen sind viele Mitglieder des VdK, die aufgrund ihres Alters oder gesundheitlicher Einschränkungen besonders unter der Situation leiden.

Ein massives Problem ist die Beschaffenheit der alten Klinker- und Backsteinfassaden. Diese Mauern wirken wie ein thermischer Speicher: Wenn die Hitzewelle draußen längst abgeklungen ist, steckt die Energie noch tagelang im Mauerwerk und strahlt unerbittlich in die Wohnräume ab. "Das ist wie in einem Speicherofen, nur dass man ihn nicht ausschalten kann", sagt die 74-jährige Edeltraud R., langjähriges VdK-Mitglied. "Selbst wenn es draußen nachts abkühlt, kommt die Hitze einfach aus den Wänden. Man findet keine Ruhe mehr." Das gleiche Phänomen zeigt sich im Winter, wenn die Kälte tief in den Wänden sitzt und die Heizkosten in astronomische Höhen treibt.

Wie gefährlich die Hitze auch außerhalb der eigenen vier Wände werden kann, zeigt ein aktueller Vorfall. "Gestern ist eine Nachbarin im Aufzug steckengeblieben, weil der Motor wohl wegen der Hitze aufgegeben hat", berichtet Edeltraud R. sichtlich mitgenommen. "Sie saß 45 Minuten in dieser engen Kabine fest, ohne Flüssigkeit ohne jede Lüftung. Als sie endlich befreit wurde, musste sie sofort ins Krankenhaus - Lebensgefahr durch die Hitze und die Enge. Jetzt haben wir alle Angst, überhaupt noch mit dem Aufzug zu fahren." Für Bewohner im 5. Stock, die körperlich schwach sind, bedeutet das die totale Isolation: Die Treppen schaffen sie nicht, und dem Aufzug noch zu vertrauen, ist nun zum Risiko geworden.

Ihr Nachbar Peter O. (74), ebenfalls beim VdK organisiert, schildert die körperliche Belastung: "Wenn es draußen 35 Grad sind, haben wir hier drin locker 30 Grad. Die Ventilatoren wirbeln nur noch die heiße Luft im Kreis, das bringt gar nichts. Mein Kreislauf macht das kaum noch mit, man hat richtig Angst, einfach umzukippen."

Die Hoffnung auf schnelle Abhilfe durch mobile Klimageräte erweist sich oft als Illusion. Wer versucht, sich kurzfristig zu schützen, stellt fest, dass die Geräte entweder restlos ausverkauft sind oder die Lieferzeiten Wochen betragen. "Ich habe überall angerufen, aber es gibt nichts mehr", berichtet Peter O. frustriert. Hinzu kommt die finanzielle Hürde: Viele Betroffene können sich die hohen Anschaffungskosten schlicht nicht leisten - sie sind auch plötzlich teurer geworden. Selbst wenn ein Gerät im Zimmer steht, fressen die enormen Stromkosten das ohnehin knappe Budget auf. "Die Stromrechnung am Jahresende ist mein größtes Schreckgespenst", gibt Edeltraud R. zu. "Man traut sich dann wohl kaum, das Ding einzuschalten, weil man nicht weiß, wie man das bezahlen soll."

Prioritäten sitzen woanders

Das Gefühl der Machtlosigkeit wird durch die ständigen Warnungen in den Medien nur noch verstärkt. "Überall und im Fernsehen gibt es Tipps und Vorschläge, aber uns hilft das alles nicht wirklich", sagt Maria G. verbittert. "Alle können gut reden, aber niemand ist imstande, uns wirklich zu helfen."

Während die Mieter in dieser Misere feststecken, setzen die Eigentümer ihre Prioritäten woanders.

Energetische Sanierungen werden oft jahrzehntelang verschleppt, weil Projekte wie Dachaufstockungen schnellere Renditen versprechen. Rechtlich bleibt die Lage schwierig: Ein direkter gesetzlicher Anspruch auf Kühltechnik existiert bisher nicht. Es bleibt das Bild einer verfehlten Fürsorgepflicht, die zeigt, dass der Mieterschutz bei den Folgen des Klimawandels eklatante Lücken aufweist. Mieter wie Maria und Peter werden in den immer heißer werdenden Sommern weitgehend sich selbst überlassen.