Fast die Hälfte der Stadt betrifft es:

Neues Haus der Kulturen reagiert auf Düsseldorfs Demografie
Von Peter Ries
In Düsseldorf haben mittlerweile mehr als 46 Prozent der Bürgerinnen und Bürger eine internationale Biografie, bei den Kindern liegt die Quote noch höher. Migration und Vielfalt sind in der Landeshauptstadt längst Alltag. Bisher fehlte es jedoch an einem zentralen, professionell geführten Ort, der diese Realität im Stadtbild sichtbar macht. Am 22. Juni 2026 bezieht das Haus der Kulturen Düsseldorf e.V. offiziell seine neuen Räume in der Yorckstraße 23 in Derendorf. Zusammen mit Oberbürgermeister Stephan Keller feiert der Dachverband den Einzug in die feste Immobilie.
Kein symbolischer Auftakt, sondern gelebte Praxis
Hinter dem Projekt steht ein Netzwerk aus über fünfzig Mitgliedsvereinen. Die Räume in Derendorf werden bereits seit Ende April genutzt und haben sich ohne Anlaufzeit als logistisches und kreatives Zentrum etabliert. Statt auf die Eröffnung zu warten, lief das Programm in den vergangenen Wochen an. Workshops und Tagungen von Gruppen wie dem Centro Cultural Brasileiro oder der Bahá’í-Gemeinde zeigten sofort den konkreten Bedarf an Raum. Jeden Dienstag steht das Haus beim „Open Space“ von 10 bis 19 Uhr für alle offen, die eigene Projekte entwickeln möchten.
Kooperationen mit etablierten Institutionen
Dass das Konzept über die klassische Vereinsarbeit hinausgeht, belegen die ersten Partnerschaften mit großen Kulturträgern der Stadt. Im Mai gab es bereits ein gemeinsames Projekt mit der Deutschen Oper am Rhein. Ziel ist es, die Perspektiven von Menschen mit Einwanderungsgeschichte fest im Düsseldorfer Kulturbetrieb zu verankern. Ein großes öffentliches Zeichen folgt am 12. September 2026 mit einem Sommerfest im Hofgarten, bei dem die Vereine ihre Arbeit vorstellen.
Strukturen für eine offene Stadtgesellschaft
Die Stadtpolitik und die Initiatoren sehen in dem Haus eine notwendige Infrastruktur, um gesellschaftlichen Zusammenhalt und wirtschaftliche Dynamik zu stärken. Um den Anforderungen an eine moderne Organisation gerecht zu werden, baut der Verein feste Governance-Strukturen mit Geschäftsführung und Aufsichtsrat auf. Als überparteiliche Plattform soll das Haus der Kulturen Brücken bauen, Vorurteile abbauen und ganz gezielt auch jene Menschen ansprechen, die der kulturellen Vielfalt bisher distanziert oder unsicher gegenüberstehen.