Die Falle am Geldautomaten:

Wie Kriminelle gezielt Senioren ausspähen
Von Peter Ries
Der Gang zur Bank gehört für viele ältere Menschen zur Routine, gerade am Monatsanfang, wenn die Rente auf dem Konto eingeht. Doch genau diese Regelmäßigkeit machen sich organisierte Banden zunutze. Sie lauern in der Nähe von Geldautomaten oder Bankschaltern, beobachten die Kundschaft beim sogenannten "Spähen" und schlagen später skrupellos zu. Diese Form des Raubes passiert meistens nicht direkt in der Bank, sondern gut durchdacht auf dem Heimweg, oft unter Anwendung von Ablenkungstricks.
Die Masche mit dem scharfen Blick und dem Ablenkungstrick
Täter, die es auf das Bargeld von Senioren abgesehen haben, agieren selten spontan. Sie halten sich unauffällig im Vorraum der Filiale auf, tun so, als würden sie Kontoauszüge holen oder selbst anstehen. Ihr eigentlicher Fokus liegt jedoch auf den Händen der Bankkunden und dem abgehobenen Betrag. Sobald eine größere Summe in der Tasche verstaut wird, beginnt die Verfolgung. Die Kriminellen warten ab, bis das Opfer eine belebte Straße verlässt oder die eigene Haustür erreicht. In diesem Moment der Unaufmerksamkeit erfolgt der Zugriff. Oft nutzen die Täter das "Rempelexpedition"-Prinzip oder den klassischen Münztrick: Vor dem Opfer fällt scheinbar versehentlich Kleingeld zu Boden. Während der Senior hilfsbereit schaut oder mitsucht, greift ein Kompize unbemerkt in die Manteltasche. Im schlimmsten Fall wenden die Täter direkt körperliche Gewalt an, um an die Beute zu kommen, da sie die körperliche Unterlegenheit älterer Menschen gezielt einkalkulieren.
Falsche Sicherheitsgefühle überwinden
Viele Betroffene wiegen sich in Sicherheit, weil sie glauben, am helllichten Tag oder in einer vertrauten Umgebung geschützt zu sein. Das ist ein Trugschluss. Die Polizeistatistiken zeigen regelmäßig, dass solche Straftaten bevorzugt in den Vormittagsstunden direkt nach der Rentenauszahlung stattfinden. Wer sich schützen will, muss bereits vor dem Betreten der Bankfiliale aufmerksam sein.
Wenn sich Personen im Vorraum auffällig verhalten, keine erkennbaren Bankgeschäfte erledigen oder einem beim Eintippen der PIN zu nahe kommen, sollte der Abhebevorgang sofort abgebrochen werden. Es ist keine Unhöflichkeit, andere Menschen im Kassenbereich energisch auf Abstand zu verweisen, sondern eine Notwendigkeit.
Praktische Verhaltensregeln für den Ernstfall
Um das Risiko eines Überfalls zu minimieren, helfen konsequente Verhaltensänderungen.
Größere Geldbeträge sollten niemals allein abgeholt werden; eine Begleitung durch Angehörige oder Bekannte bietet den besten Schutz. Zudem ist es ratsam, die Abhebetage und Uhrzeiten regelmäßig zu variieren, damit keine festen Muster für Beobachter entstehen.
Nach dem Abheben gehört das Geld sofort in verschließbare Innentaschen der Kleidung, niemals in die Handtasche oder den leicht zugänglichen Rollator-Korb.
Wer auf dem Heimweg das Gefühl hat, verfolgt zu werden, sollte auf keinen Fall den Weg zur eigenen Wohnung fortsetzen - im engen Hauseingang ist man isoliert und schutzlos. Besser ist es, gezielt belebte Geschäfte anzusteuern, andere Passanten laut und direkt anzusprechen ("Sie im roten Mantel, helfen Sie mir!") oder sofort den Polizeinotruf 110 zu wählen.
Achten Sie auf sich!
Peter Ries
Ehrenamtl. Kriminalprävention für Senioren (EKPS)